Die Entäusserung des eigenen Ichs durch die Annahme des Willens Gottes: Du kannst dich nicht selber entäussern; es ist der Herr, der dich durch seinen Willen entäussert; durch die Abtötungen, die Korrekturen, durch all deine Grenzen, die physischen, psychischen oder geistlichen Mängel. All dies dient dem langsamen Tod deines Ichs. Dein Ich muss sterben, damit sich die Liebe vermehren kann. Du hast nur eine Liebe; entweder liebst du dein Ich oder du liebst Gott. Um Gott zu lieben, musst du diese Liebe, die du zu deinem Ich hast, beseitigen. Wie wird dein Ich bis zum Tode gedemütigt? Durch die Kränkungen, die Demütigungen, die Krankheiten und manchmal sogar durch deine nicht erhörten Gebete, die dir bewusst machen, dass du vor Gott ein armes Geschöpf bist und dass es bereits eine Gabe ist, dass du vor IHM, in seiner Gegenwart, sein kannst. All diese Abtötungen sind ein kleiner Splitter der Demut, denn die Demut ist die Absenkung des Ichs und des Stolzes. Du sollst alle diese Demütigungen aus dem Willen Gottes annehmen und dich stets vor dem Herrn als ein armes Geschöpf sehen. So wird sich allmählich dein Ich herabsenken, bis zu dem Punkt, an welchem du die Klarheit hast, dass du ohne Jesus nichts tun kannst, das heisst, dass du nichts bist und alles, was du tun willst, von ihm abhängt: "Ohne mich könnt ihr nichts tun". (Joh 15, 5). Wenn eine Seele bis zum Nichts kommt, dann beginnt Gott zu erschaffen, denn Gott hat aus dem Nichts erschaffen; er beginnt auf eine herrliche Art und Weise dein geistliches Leben zu erschaffen, damit du IHM, aber auch den Brüdern und Schwestern wohlgefällig bist. Das Wesentliche ist jedoch, dass das Ich für den Menschen praktisch «Gott» ist, der allein es durch seinen Willen herabsenken kann. Gottes Wille kann entweder von den Vorgesetzten kommen, vom eigenen Umfeld oder von deiner Person, aufgrund deiner Leiden, Demütigungen und Schwachheiten. Dein Ich ist stark wie Satan und darum kannst nicht du es herabsenken, denn das Ich bist du und das Ich kann nicht das Ich herabsenken. Nimm darum aus Liebe den Willen Gottes an, auch wenn er dich sehr leiden lässt. Oft haben wir leider nur diese Herabsenkung des Ichs vor Augen und nicht die Vermehrung der Gegenwart Gottes in uns. Das geistliche Leben ist einfach, aber Satan hat es so kompliziert gemacht, so dass man Gefahr läuft, nichts mehr zu verstehen.
Don Pierino Galeone