Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden (vgl. Mt 7,1): Es ist gefährlich über den Nächsten schlecht zu denken und über ihn zu urteilen, denn dies ist ein Akt des Hochmuts. Es ist ein Urteilen über den Nächsten, über das, was er getan hat und über seine Absichten. Wir können nie in den Verstand und den Willen des Nächsten eintreten und erkennen, warum er etwas gemacht hat. Wir können zwar objektiv über eine Tatsache urteilen, aber es ist ein Urteilen über die Nächsten, wenn wir über ihre Absichten und über ihren Willen urteilen. Es kann sein, dass eine Person etwas getan hat, sich aber der Tat nicht bewusst ist oder es fehlt ihr die rechte Erkenntnis, dass sie schlecht gehandelt hat. Die Person kann vor Gott auch entschuldigt sein. Es ist ein Akt des Stolzes über die Absichten der Nächsten zu urteilen. Wie kann man sich sicher sein, was für eine Absicht der Nächste hatte, ob er aus freiem Willen gehandelt hat und ob er in vollem Bewusstsein gehandelt hat? Es ist immer gefährlich über den Nächsten zu urteilen. Man ist stolz, wenn man sich durch das Urteilen über den Nächsten erhebt, vielleicht gerade in Bezug auf den Punkt, wo man selber schwächer ist als er. Es ist aber auch ein Mangel an Nächstenliebe über etwas zu urteilen, was der Betreffende vielleicht nicht in vollem Bewusstsein getan hat. Wir müssen uns vor dem Urteilen sehr in Acht nehmen, da auch die Heilige Schrift sagt, dass das Gericht bereits dann über uns beginnt, wenn wir urteilen. "Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden" (Lk 6, 37). Wenn wir also über den Nächsten urteilen und ihn so richten, fallen wir unter das Gericht Gottes. Wenn man über den Nächsten urteilt, ist es nicht nur ein Mangel an Nächstenliebe, sondern es ist auch Ungehorsam gegenüber dem Gebot Gottes "nicht zu urteilen". Wenn wir Schwachheiten beim Nächsten sehen, sollen wir beten, damit er sich bessert, anstatt über ihn zu urteilen. Auch sollen wir immer Barmherzigkeit üben und darum bitten, damit sich der Nächste sofort wieder erhebe und mit Demut und reuevollem Herz vom Herrn die Vergebung empfange und sich so wieder mit Gott und seinen Nächsten versöhne. Bitten wir stets Gott um diese Hilfe für unsere Nächsten, damit sie sich mit IHM und ihren Mitmenschen versöhnen.
Don Pierino Galeone
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