Heiligkeit ist, mit demütiger Sanftmut reagieren: Durch seine Demut vermochte Pater Pio mit außergewöhnlicher Schlichtheit das tiefe Bewusstsein seines Nichts und seiner Größe miteinander zu vereinen. Pater Agostino lag in seinem Zimmer mit Schmerzen im Bett. Auf dem Rückweg vom Beichthören blieb Pater Pio an der Tür zur Zelle stehen, um ihn zu grüssen. Dabei sagte er scherzend zu ihm: „He, was machst du denn da im Bett? Steh doch auf!“ Pater Agostino schrie wütend: „Pater Pio, hörst du wohl auf damit! Hast du eigentlich kein Mitleid mit einem armen, kranken Mann?“ Pater Pio wurde bleich, verstummte und senkte die Augen. Dann sagte er: „Mein Bruder, wie fühlst du dich?“ Wenig später ging er gesenkten Hauptes weiter zu seiner Zelle. (Aus dem Buch: "Pater Pio mein Vater" ISBN 978-3-7171-1166-5)  
Don Pierino Galeone

Papst Franziskus: Mit demütiger Sanftmut reagieren, das ist Heiligkeit. Jesus sagt: »Lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. « (Mt 11,29b). Wenn wir hochmütig und stolz vor den anderen leben, sind wir am Ende müde und erschöpft. Wenn wir aber ihre Grenzen und Fehler mit Milde und Sanftmut sehen, ohne uns für besser zu halten, dann können wir ihnen zur Hand gehen und vermeiden, unsere Energie in unnützen Klagen zu verschwenden. Für die heilige Thérèse von Lisieux besteht »die vollkommene Liebe darin…, die Fehler der anderen zu ertragen, sich nicht über ihre Schwächen zu wundern«. Die Sanftmut ist ein anderer Ausdruck für die innere Armut dessen, der sein Vertrauen allein auf Gott setzt. Gegen alle Umstände hoffen die Sanftmütigen auf den Herrn, »die aber auf den Herrn hoffen, sie werden das Land besitzen…, ihre Lust haben an der Fülle des Friedens« (Ps 37,9. 11). Gleichzeitig vertraut der Herr auf sie: »Auf den blicke ich: auf den Armen und auf den, der zerschlagenen Geistes ist und der zittert vor meinem Wort« (Jes 66,2). Aus Gaudete et exsultate, 72,74