Aus einem Brief von Pater Pio – Inmitten der Prüfung

Die Greuel des Krieges lassen mich nahezu verrückt werden: meine Seele befindet sich in äusserster Trostlosigkeit. Dabei hatte ich mich auf diese Geschehnisse vorbereitet, und dennoch hat es das Entsetzen und die Trostlosigkeit, die meine Seele befallen haben, nicht verhindern können.

Ja, dieser verwünschte Krieg wird für unser Italien und für die Kirche Gottes eine heilsame Reinigung sein: im italienischen Herzen wird wieder der Glaube erwachen, der sich verkrochen hatte und von den schlimmsten Gelüsten verdrängt wie eingeschlafen und erstickt war. Es werden in der Kirche Gottes aus einem fast ausgedörrten und trockenen Boden die schönsten Blumen hervorspriessen; aber, meint Gott! Ehe das geschieht, welch harte Prüfung steht uns noch bevor!

Wir müssen eine ganze, lange Nacht durchqueren, die von so dichter Finsternis erfüllt ist, wie unser Heimatland sie bis heute noch nie gesehen hat. Es stimmt zwar, dass diese extreme Prüfung für viele ein Stolperstein sein wird, für die meisten wird sie aber eine heilsame Medizin sein, um die Gesundheit wiederzuerlangen.

Selig die Augen, die den Anbruch dieses neuen Tag erleben werden! Inmitten der Prüfung, an deren Anfang wir stehen und die besonders für uns sehr schwer sein wird, wollen wir den Blick getrost durch diese finstere Nacht hindurch auf den neuen Tag richten, der kommen wird; das sollte genügen, um uns im süssen Herrn zu trösten.

(Pater Pio, Epistolario I, aus Brief 256, 27. Mai 1915)

Hl. Schrift: «Aber nicht nur das, sondern auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, auch wir seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden. Denn auf Hoffnung hin sind wir gerettet. Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung. Denn wie kann man auf etwas hoffen, das man sieht? Hoffen wir aber auf das, was wir nicht sehen, dann harren wir aus in Geduld. » (Röm 8,23 – 25)